Sonntag, August 30, 2009

FantasyFilmFest-Nachtrag

Nachtrag zum FantasyFilmFest.

Das FantasyFilmFest ist in Hamburg nun leider wieder vorbei. In anderen deutschen Städten können sich die Kinobesucher auf ein cineastisches Highlight des Jahres noch freuen.
           
           Termine des Fantasy-Film-Festes:

           Berlin (18.-26.8.) / Hamburg (19.-26.8.) /  Köln (26.8.-2.9.) / Frankfurt (26.8.-2.9.) /
           Nürnberg (27.8.-3.9.) / Stuttgart (2.-9.9.) / München (1.-9.9.)

Gerammelt voll war es bei der Vorführung von DISTRICT 9 im großen CINEMAXX. Vollkommen unvorbereitet lande ich, nur angelockt durch die eigenwillige Vorstellung im Programmheft des FantasyFilmFestes, in einer Produktion des neuseeländischen Filmemachers Peter Jackson (BRAINDEAD, HERR DER RINGE). Ein Sci-Fi-Actionfilm von Neill Blomkamp, der in Südafrika angesiedelt ist. Die „Invasion" der Aliens hat stattgefunden. Sie haben aber nicht die Macht übernommen, sondern sie werden im District 9 von Kapstadt in einer Art Auffanglager gehalten.
Während des ganzen Films geht einem dabei nicht aus dem Kopf, dass hier alles vor dem Hintergrund der vergangenen Apartheidspolitik und immer noch bestehender sozialer Ungleichheiten entwickelt wird. Die NEW YORK TIMES spricht hier sogar von einer Allegorie.
Regisseur Neill Blomkamp, der zusammen mit Terri Tatchell20auch das Drehbuch geschrieben hat, hat einen irrwitzigen Helden geschaffen – irgendwo zwischen Kafka und Chaplin – den wir auf seiner Dienstreise durch den District 9 begleiten. Immer dabei: eine wackelige Handkamera, die alles dokumentiert. Daneben werden wir mit Infos zum Geschehen versorgt, durch alle üblichen Medienkommentare sowie Sitzungen und Geheimabsprachen des Unternehmens, dass für den District 9 verantwortlich ist. M.N.U., was für Multi-National United steht. Und unser Held ist natürlich der Schwiegersohn des Chefs.
Ungelenk, aber immerhin mit Sprachkenntnissen, betritt er überfall artig mit bewaffneten Begleitern die Wohnstätten der Aliens – sogenannten Prawns, ein Verweis auf ihr Aussehen. Von Interesse für M.N.U. sind die Waffen der neuen Mitbürger, die aber nur in den Händen der richtigen DNA wirksam sind.
Da sich der übereifrige Beamte – unser Held – mit der Alien-DNA infiziert, wird er bald in einen Gewissenskonflikt gestürzt. Zum Killer eignet er sich eigentlich nicht. Denn schließlich will er Mensch bleiben.  Bald schließt er sich einem hochintelligenten Alien an, der ihn zurückverwandeln will.
Man merkt schon, hier geht es nicht nur um die Menschen, die sich vor einer Gefahr von außen unbedingt schützen müssen. Hier stellt sich die Frage nach dem, was das „wahre" menschliche Anlitz ist. Und die weiße wie auch die schwarze Bevölkerung Kapstadts schneiden in puncto Toleranz ziemlich schlecht ab. Geld un d die richtigen Waffen bestimmen die Welt!
Also bis hierher der nicht unintelligente Inhalt. Wie es ausgeht, wird natürlich nicht verraten! Was man aber denen die (wie ich!), noch nicht das meiste schon im voraus in WEB erfahren haben, noch erzählen muss, ist, dass es natürlich und vor allem auch ein Actionfilm ist. Mit streckenweise viel Geballer! Das ist meist aber so fantasievoll verpackt, dass es auch dem ansonsten Actionfilme meidenden Publikum durchaus zu empfehlen ist.
Links zum weiterlesen:
http://www.spiegel.de/kultur/kino
http://movies.nytimes.com/2009/08/14/movies/14district.html
Und über reale Hintergründe:
http://www.newsweek.com/id/213805

Der Starttermin für DISTRICT 9 ist vorverlegt auf den 10. September. Der Film hat bereits am ersten Wochenende in den USA seine – nun ja eher Low-Budget – Kosten (30 Millionen Dollar) eingespielt. In der Sommerflaute hat er sich so als echter Kracher erwiesen, der allerdings auch bei der Kritik gut wegkommt.

Auf dem FantasyFilmFest gab es auch mehrere Filme, die das Thema Gewalt hinterfragen. Keine orgiastischen Überhöhungen; kein: wir sind mitten drinnen und lassen es einfach mal raus. Was manchmal  zivilisierter im Kino sein kann, als auf der Straße....
Einer davon hat gerade den Hauptpreis auf dem Sydney Film Festival erhalten. BRONSON von Nicolas Winding Refn (PUSHER, BLEEDER) erzählt sehr eigenwillig die Lebensgeschichte des gewalttätigsten Strafgefangenen Großbritanniens. Die Jurybegründung: „emotional, hat N achklang, ist mutig, sehr aktuell, wagemutig und zeigt das Thema in einem neuen Licht".
Bronson, so genannt nach Charles Bronson, entwickelt sich zu dieser nachhaltigen Ikone der Gewalt erst im Knast. Die Medien tun ihr übriges dazu.  Als clownesker Conférencier seines Lebens führt er durch das Brutalo-Geschehen, das sein Leben darstellt. Ein sich – nicht ohne diesen typischen britischen humorigen Unterton – vollkommen verausgabender Tom Hardy gibt Charles Bronson, mit bürgerlichem Namen Michael Gordon Peterson. Seit Anthony Hopkins Performence als Hannibal Lecter gab es nicht mehr etwas derart diabolisch gut gespieltes. Nicht unbedeutend für den Film ist die Musikspur. Gewalt im Film – wie in der Oper – läßt sich so einfach besser ertragen. Oder sollte man sagen genießen? Kommt wohl auf den Charakter an. Und ist wohl auch etwas, worauf uns der Regisseur stoßen will......Tatsache ist, dass BRONSON ein Film ist, der sich ins Hirn einbrennt!

Ole Bornedal (NIGHTWATCH) kommt mit seinem DELIVER US FROM EVIL dagegen mit einer Charakterstudie, die das Milieu ausleuchtet. Die Gruppendynamik, die der Tod einer allseits beliebten Mitbürgerin bei den Dorfbewohnern auslöst, und sich gegen den Außenseiter, einen Asylanten, entlädt, ist der schiere Abgrund menschlichen Verhaltens. Irgendein Überbleibsel in unserem (Ur-)Stammhirn. Etwas, was uns früher in freier Wildbahn vor fremden Eindringlingen warnen sollte und mit dem Handeln derart symbiotisch verbunden war, dass Vernunft erst gar nicht eingeschaltet werden mußte und somit das Überleben in der Wildnis sicherte. Etwas, das in der Form von Selbstjustiz  – nicht nur in alten Western – überwintert hat, und immer wieder mal in einer Art von Gruppenhypnose auftritt.
DELIVER US FROM EVIL ist ein Film, der uns betroffen macht, weil alles so nah „scheint".

Was war da noch so auf dem FantasyFilmFest?
GIALLO vom Altmeister des Horrors Dario Argento. Ich muss zugeben, die selbstironischen Horrorfilme des amerikanischen Independentkinos liegen mir mehr. Spätestens als das erste Opfer gedemütigt wird, erinnere ich mich, dass ich es früher nicht ausstehen konnte, wenn pünktlich mit der ersten schreienden Frau das männliche Publikum zu lachen (oft grölender Weise) anfing. Alles beim Alten, zumindestens bei Argento. Es ist aber ansonsten kein schlechter Film. So eine Optik macht ihm so schnell keiner nach.  Die Frauen: geschenkt. Selbst Emmanuelle Seigners Figur, als resolute Frau angelegt, wirkt manchmal seltsam puppenhaft. Der sadistische Schlitzer: nun ja, halt typisch und zudem noch körperlich mißgestaltet. Bei so einem ist es ja kein Wunder, dass er alles schöne zerstören muss. Als da wären Asiatinnen, Models, etc.(Achtung: Ironie!)
Was aber richtig gut kommt, ist wie Argento die Stadt Turin ins Bild setzt. Und bei Adrien Brody als introvertierten Polizisten und Jäger in eigener Sache muss man nur die Kamera draufhalten. Das Gesicht hat es in sich....De r Hintergrund wird immer dunkler, wechselt vom typischen gelb (der Schwefelzone) zum blau (fast wie bei Michael Mann). Und Dario Argento findet einen derartig lakonischen Abschluss, dass würde sich Hollywood nie erlauben. Steigerung bis zur größten Hysterie, dann noch eine Einstellung und Schluss. Das ist gelungen!

Und zum Schluss noch ein Tipp zu einem typischen FantasyFilmFest-Streifen. Oder doch eher so einer, wie sich Außenstehende die Filme dieses Festivals vorstellen. Die britische Produktion THE CHILDREN splattert nach dem Motto „wir haben uns alle dann doch nicht so lieb". Zwei Vorzeigefamilien treffen sich über Weihnachten auf einem Anwesen, fern der Zivilisation. Alles ist Friede, Freude, Eierkuchen... Doch dann verhalten sich die lieben Kleinen auf einmal merkwürdig. Als ob sie ferngesteuert würden. Was jetzt folgt, ist alles andere als appetitlich. Komisch auch nicht unbedingt. Aber, wer die allgemein anerkannte Family-Matrix mal über Bord werfen will. Oder wer sich rückhaltlos mit dem Freak der Familie, der Teenagerin Casey solidarisieren will. Nun der wird sich zumindest nicht langweilen. Oder wie Channel 4 Film es ausdrückt: „Tom Shankland's traumatic horror is every parent's nightmare".

Text: Meike Gastner







Samstag, August 22, 2009

Fantasy-Film-Fest in Hamburg

Zwischenbericht vom Fantasy-Film-Fest in Hamburg.

Gleich in den ersten Tagen schwere Kost aus Südkorea. Chan-Wook Park mit THIRST-DURST und Phil-Sung Yim mit HANSEL AND GRETEL.

HANSEL AND GRETEL  (Phil-Sung Yim).
Hänsel und Gretel, das Schauermärchen nach den Brüdern Grimm, mal paradox. Hier hat man sich vor den lieben Kleinen zu fürchten, die eine Art Dauergeburtstag oder ewiges Weihnachtsfest feiern. Mit einem Wunschbuch ist halt alles möglich. Und die Erwachsenen haben sich dem Begehren der Kinder doch tunlichst unterzuordnen. Bei Nicht-befolgen: nun den Quälgeistern fällt schon was ein....
Der junge Mann, der nach einem Autounfall von einem kleinen Mädchen durch den dunklen Wald in ihr Domizil geleitet wird, findet eine Bilderbuchfamilie vor. Doch nachdem ein Versuch scheitert, aus dem Wald herauszukommen, landet er wieder in dem von allen Außenkontakten abgeschnittenen Häuschen. Dann verschwinden die Eltern und Unheimliches passiert in der Kinderwelt. Neben einer Erklärung, warum die drei Kinder so grausam sind, spinnt Phil-Sung Yim Erzählfäden, die über den Verlust der Kindheit, das Unhaltbare der Aufrechterhaltung der Unschuld der Kinder und die Verweigerung des Erwachsenwerdens bildgewaltig philosophieren. Und letztendlich macht er mit dem Zuschauer das, was sein Held gekonnt beherrscht: Geh' niemals den Geschichten auf den Leim, sondern erkenne ihre Konstruktion. Und nutze sie, um der Gefangenschaft zu entfliehen...... Und den K indern möchte man zurufen: Get out of the forrest and being grown up! Aber sie werden wohl weiter ihr Unwesen treiben und das wahre Leben verpassen.


THIRST-DURST (Chan-Wook Park).
Das Grundgerüst der Beziehungen basiert auf Emile Zolas Roman THERESE RAQUIN. Aber Chan-Wook Park bettet das Ganze in eine Vampirgeschichte ein. Junger unbefriedigter Priester nimmt an einem medizinischen Experiment teil und verwandelt sich zum Blutsauger. Er wird in der Familie eines alten Freundes aufgenommen. Dessen Frau wird seine Geliebte. Der Vampirismus wird wieder einmal zur Metapher für ungestillte Leidenschaft und sexuellen Exzess. Was Chan-Wook Park daraus macht, kann man nicht erzählen. Das muss man sich einfach anschauen. Man schwankt dabei zwischen Ekel angesichts sehr realistischer körperlicher Verletzungen (schlimmer als jeder Splatterfilm!) und dem Genuss einer skurrilen Situationskomik. Die Schauspieler meistern diesen Balanceakt ohne dass die Geschichte zur Klamotte wird. Im Gegenteil, das besitzt die Dramatik von großer Oper.

THIRST-DURST am Sonntag (23.8.) auch in Berlin im CINEMAXX 7 (21:45 Uhr). Der Regisseur Chan-Wook Park wird anwesend sein.

Text: Meike Gastner



Termine des Fantasy-Film-Festes:

Berlin (18.-26.8.) / Hamburg (19.-26.8.) /  Köln (26.8.-2.9.) / Frankfurt (26.8.-2.9.) /
Nürnberg (27.8.-3.9.) / Stuttgart (2.-9.9.) / München (1.-9.9.)

Sonntag, Februar 10, 2008

BERLINALE

Hallo,

hier mein erster Text von der BERLINALE 2008!

Nachdem das Berliner Filmfest mit Scorsese und den Rolling Stones vielbeachtet begonnen hat, konnte nur ein Star wie Shah Rukh Khan das ganze noch toppen. Eine Milliarde Fans bringen es halt. Da war selbst das Berlinale-Infonetz ueberfordert.

Doch jetzt beginnt der normale Wahnsinn. Das BERLINALE-Programm hat wieder - neben dem vielbeachteten Wettbewerb - spannendes in den Sektionen Panorama, Forum und Retrospektive zu bieten.

Zur Retro ueber Luis Bunuel demnaechst mehr!

Ich bin gestern an meinem ersten Tag erst einmal im PANORAMA gelandet. Da gab es eine Doku des Filmemachers Dror Moren zum politischen Urgestein Ariel Sharon. SHARON - A JOURNEY FROM GENERAL TO STATESMAN. Aus israelischer Sicht beleuchtet der Regisseur wie Sharon sich in den letzten Jahren vom General zum Staatsmann wandelte. Dabei werden die Schattenseiten aus seiner Zeit als Millitaer nicht unterschlagen. Und doch kritische Israelis wandelten sich von leidenschaftlichen Sharon-Gegnern - fuer die Sharon DER Stellvertreter eines festgefahrenen Hardlinerkurses war - zu ueberzeugten Unterstuetzern seines einlenkenden Kurses. Dror Moren verfolgt Sharon auf seinem Weg zu einem Kompromis mit den Palistinensern. Es zeigt einen Politiker, der es sich als Zionist nicht leicht macht; und doch auf seine Gegner zu geht und in der Siedlungspolitik der Israelis entscheidene Zugestaendnisse macht. Weil Tagespolitik und Geschichte es der Logik nach verlangen! Fuer eine Befriedung des ganzen mittleren Osten! Die Kamera verfolgt Ariel Sharon bei seiner Arbeit und wichtige Zeitzeugen kommen zu Wort; unter anderem auch Joschka Fischer. Auch ich haette es mir 10 Jahre frueher nicht vorstellen koennen, dass ich einmal trauern wuerde, weil Sharon nach mehreren Schlaganfaellen nun weg vom Fenster der israelischen Politik ist.
SHARON ist noch zu sehen: 11.2. 17.30 CUBIX 7,  14.2. 15.30 COLOSSEUM 1.

Im PANORAMA lief auch DAS ANDERE ISTANBUL der in Berlin lebenden Regisseurin Doendue Kilic. Sie hat die schwule Szene in Istanbul zum Reden gebracht. In einer Zeit, in der traditionelle islamische Kraefte auch in der Tuerkei wieder erstarken, werden auch Schwule wieder an den Rand gedrueckt. Wie Schwule, Bi- und Transsexuelle dabei zu sich selbst kommen und ihren eigenen Weg versuchen zu gehen, zeigt die junge Filmemacherin. Das Filmteam kam dabei den Protagonisten sehr nah. Ein - trotz seiner quirligen Charaktere - nachdenklich machender Film.
DAS ANDERE ISTANBUL ist noch zu sehen: 11.2. 15.30 im COLOSSEUM 1.

Heute habe ich mit meinem eigentlichen Schwerpunkt begonnen. Dem FORUM. Fuer eine langzeitige Begleiterin der NORDISCHEN FILMTAGE Luebeck sozusagen mit einem Heimspiel. Josef Fares hat seinen neuen Film LEO vorgestellt. Der aus dem Libanon stammende schwedische Filmemacher hat sich dem Thema Rache gestellt. Er zeigt einen jungen Mann, der bei einem naechtlichen Ueberfall die toetliche Verletzung seiner Freundin nicht verhindern kann. Traumatisiert, erliegt er der Zwangsvorstellung nach Rache. Auch weil die Polizei nicht engagiert genug ermittelt! Ein Psychiater kann ihm nicht helfen. Seine Freunde versuchen ihn einerseits zu beschwichtigen, andererseits helfen sie ihm bei seinem Plan nach Revange. Fares zeigt in seinem Film wie eine Gewaltspirale entsteht! Ein - obwohl das Geschehen vorhersehbar ist - nicht banaler Film. Das liegt am Zusammenspiel der Darsteller. Auch Regisseur Josef Fares ist zum ersten Mal vor der Kamera dabei! Und es wirft die Frage auf, warum ein Eigreifen in die Gewaltspirale nicht moeglich ist, wenn wir doch genau wissen, was sie bewirkt!
LEO ist noch zu sehen: 11.2. 22.45 CUBIX 9, 12.2. 20.00 COLOSSEUM 1.

Ebenfalls nachdenklich hinterlaesst einen der Film CORRECTION des griechischen Regisseurs Thanos Anastopoulos. Wir verfolgen die Odyssee des haftentlassenen Yorgos. Auf seiner Suche nach Unterkunft in Obdachlosenasylen und beim Versuch alter Freunde, ihn wieder zwangs-zu-integrieren in Fussball-Hooligan-Kreise. Besonders merkwuerdig und zwiespaeltig erscheint Yorgos Hartnaeckigkeit, mit der er ein kleines Maedchen und seine Mutter verfolgt. Was verbindet ihn mit diesen beiden. Dem Zuschauer kommem Paedophilie und Stalking in den Sinn. Oder ist er der Vater des kleinen Maedchens? Doch der Bezug zu diesen beiden aus der Vergangenheit Yorgos erweist sich als unglaublich komplizierter. Bilder eines Athens jenseits der Touristenrouten und sich ausschweigende Figuren nehmen einen mit auf die Reise nach einer komplexeren Auseinandersetzung mit Schuld und der Frage "Wie geht es weiter?"
CORRECTION ist noch zu sehen: 11.2. 15.00 ARSENAL 1, 13.2. 21.30 DELPHI, 14.2. 10.00 CINESTAR 8.

Von der BERLINALE 2008: Meike Gastner. Bis bald!


More new features than ever. Check out the new AOL Mail!

Mittwoch, Januar 31, 2007

Umgezogen !

Unsere Berlinaleseiten 2007 sind jetzt unter movielounge.de zu finden !!

Donnerstag, Januar 25, 2007

Berlinale Countdown - noch 14 Tage

Pünktlich zur Berlinale serviert der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe unter dem deftigen Titel: „Das Schmollen der Autisten“ einen Essay über den Zustand der deutschen Filmkritik aus der Sicht eines Produzenten. Autor ist kein geringerer als Günter Rohrbach, einer der bedeutendsten deutschen Film- und Fernsehproduzenten. Grundtenor dieses zweiseitigen Textes: Die Filmkritiker piesacken uns ständig, verreißen die großen Produktionen, hypen Außenseiterproduktionen hoch. Rohrbach behauptet, in diesem Spiel gibt es keine Waffengleichheit. Wer sich in der deutschen und internationalen Medienlandschaft mit offenen Augen umsieht wird sich allerdings fragen, wie der Autor zu diesem Eindruck kommt. Ein Großteil der Berichterstattung über aktuelle Filmproduktionen gerade in den großen Medien ist doch nichts anderes als geschickt verpacktes Marketing bzw. „embedded product“ im redaktionellen Teil der entsprechenden Medien. Dennoch: gerade auf der Berlinale lässt sich das ganze Spektrum der Filmkritiker studieren: Die „eitlen Selbstdarsteller“ (O-Ton Rohrbach), die arroganten Typen, die Produktionen in einem Nebensatz („… ein Nichts von einem Film“) abhaken, oder die Ignoranten die in den Pressekonferenzen durch peinliche, schmerzhafte und inkompetente Fragen ihr Umfeld nerven. Man vermisst oft den minimalsten Respekt gegen den Verantwortlichen eines Films, die sich natürlich bemühen ein gutes Produkt abzuliefern. Wie kann da noch Leidenschaft für das Kino aufkommen? Wir versprechen diesmal eine Berlinale-Rubrik unter dem Thema: Die dämlichste Journalistenfrage des Tages !
Ulf Engelmayer

Mittwoch, Januar 24, 2007

Berlinale Countdown - noch 15 Tage

Nach 14 Tage bis zum Berlinalestart, das Fieber steigt. Das stationäre Studio der Redaktion Filmriss wird sich wieder in der schleswig-holsteinischen Landesvertretung befinden, der Übertragungswagen des Göttinger StadtRadios steht wie schon im letzten Jahr am Potsdamer Platz direkt vor dem Hyatt Hotel. Noch ist wenig über das Festival in den einschlägigen Medien zu vernehmen, der ersten Blogs haben allerdings schon ihre Produktion aufgenommen. Das Programm steht fast, aktuell fällt mir nur dazu ein, dass der schon im letzten Rolling Stone besprochene Film „The Red Elvis“ im Panoramaprogramm zu sehen sein wird. Noch was schickes zum Schluss: Kino jenseits seiner Grenzen: Zum zweiten Mal präsentiert Forum expanded Videokunst, Experimental- und Undergroundfilme. Das Herzstück von Forum expanded bildet in diesem Jahr das „Gossip Studio“ im Atrium des Filmhauses, ein Salon zur Herstellung und Verbreitung von Klatsch im Untergrund mit Cocktail Bar und Beauty Moments – entworfen und präsentiert von der Künstlergruppe CHEAP (Marc Siegel, Susanne Sachße, Daniel Hendrickson und Tim Blue) mit Drag-Künstler Vaginal Davis aus Los Angeles.
Ulf Engelmayer

Montag, Januar 22, 2007

Irina Palm im Wettbewerb

IRINA PALM ist eine warmherzige britische Sozialkomödie, in der die Sängerin und Schauspielerin Marianne Faithfull fulminant und überzeugend die herausfordernde Hauptrolle spielt. Der Regisseur Sam Gabarski gab vor zwei Jahren mit der Familienkomödie der TANGO DER RASCHEVSKIS sein Kinodebüt.
Die Geschichte: Maggie (Marianne Faithfull) eine 45-jährige Witwe, versucht verzweifelt Geld aufzutreiben, um die dringend notwendige medizinische Behandlung für ihren kranken Enkel zu bezahlen. Nach mehreren vergeblichen Versuchen Arbeit zu finden, landet Maggie in den Straßen von Soho, wo sie im Fenster eines Sex-Shops ein Schild „Hostess gesucht“ entdeckt. Zu verloren um zu realisieren, was sie da tut, betritt sie den Shop. Unter dem Pseudonym „Irina Palm“ nimmt sich Maggie mutig ihres ersten anonymen Kunden an. Und eines muss man ihr lassen: Wenn sie etwas macht, will sie es auch gut machen...
im Verleih von X Verleih - Kinostart Frühjahr 2007

Freitag, Januar 19, 2007

Starker Berlinaleauftakt ?

In diesem Jahr kann man hoffen, dass die Tradition, zur Eröffnung der Berlinale einen schwachen aber mit illustren Namen besetzten Film zu zeigen, durchbrochen wird. „La vie en rose“ heißt die französische Produktion unter der Regie von Olivier Dahan und ist eine filmische Biografie über die legendäre Chansonette Edith Piaf. Die Hauptrolle wurde mit Marion Cotillard besetzt, die durch durch Luc Bessons Kassenschlager „Taxi“ bekannt wurde. Leider sind mir noch keine Reaktionen aus Frankreich zu Ohren gekommen, wie dieser Film, der ja eine nationale Ikone zum Thema hat, in Frankreich aufgenommen worden ist. Ein Blick in das jetzt schon vorliegende Programm lässt einen noch höheren Qualitätssprung im Festivalprogramm vermuten. Kosslick hat hier in den letzten Jahren eine systematische und konsequente Politik betrieben. Ein Tipp zum Schluss: wer das Videoportal youtube und anverwandte Klone im Prinzip für eine gute Idee hält, aber mit den dort eingestellten Inhalten wenig anfangen kann, sollte sich einmal auf den Internetseiten des Berlinale Talent Campus anschauen. Hier zeigt sich, was der internationale Filmnachwuchs so produziert.
Ulf Engelmayer

Donnerstag, Januar 18, 2007

Independent Film Lounge

Genau mit dem Beginn der Internationalen Filmfestspiele Berlin (8.-18 Februar 2007), eröffnet in Berlin Mitte die Independent Film Lounge. Die Räume sollen während der Berlinale als Treffpunkt, Austauschforum, Lounge, Restaurant, Kino, Club und Café dienen. Hoch oben, über den Dächern von Berlin, stehen für den gesamten Zeitraum der Berlinale die Räumlichkeiten 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Es wird ein besonderes Kinoangebot geben und ein leckeres Speiseangebot mit einem außergewöhnlichem Party- und Konzertangebot. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich Konferenzräume zu mieten. In dem Kino der Independent Lounge sollen Filmemacher die Möglichkeit erhalten, ihre Arbeit, die bei der Berlinale nicht angenommen wurde, zu zeigen.
www.independentfilmlounge.de

Berlinale - die Qual der Wahl

Die Wundertüte der Berlinale ist geöffnet, als Beobachter und Teilnehmer steht man nun vor der Qual der Wahl. Schwerpunkt Klassiker ? Da wäre der Fassbindermarathon mit der digitalisierten Version von „Berlin Alexanderplatz“, die Retrospektive „City Girls“ oder die Legende „Magnum in Motion“. Das Elend jedes Cineasten auf dem Festival: alles kann man nicht sehen, vieles wird man nie wieder auf deutschen Leinwänden sehen. Der erfahrene Besucher weiß, die spannendsten Begegnungen finden sich abseits der ausgetretenen Pfade, dort wo man noch die Kreativität, die Leidenschaft, aber auch die Leidensfähigkeit engagierter Filmemacher spürt. Einen Besuch wert ist sicherlich „Kulinarisches Kino – Eat, Drink, See Movies“. Unter der Moderation des unvermeidlichen Kochshow-Gastgebers Alfred Biolek, werden Filmemacher, gastronomische Experten und andere Kulturschaffende die kreativen, hedonistischen und politischen Zusammenhänge zwischen Film und Ernährung erforschen. Diesen Zusammenhang erlebt jeder Festivalbesucher während der Berlinale hautnah, nur das für kulinarische Raffinessen in der Regel keine Zeit bleibt.
Ulf Engelmayer

Dienstag, Januar 16, 2007

Fassbinders Berlin Alexanderplatz: Remastered

Weltpremiere in der Reihe Berlinale Special: Fassbinders Berlin Alexanderplatz: Remastered.
Berlin Alexanderplatz ist der Höhepunkt seines Schaffens: Die tragische Geschichte von Franz Biberkopf nach dem Roman von Alfred Döblin gilt als Fassbinders radikalstes und persönlichstes Werk. Zum 25. Todesjahr des erfolgreichsten deutschen Nachkriegsregisseurs wird sein Hauptwerk in einer für das Kino aufwändig restaurierten Fassung bei der Berlinale uraufgeführt.
Zur Premiere von Berlin Alexanderplatz: Remastered am 9. Februar um 20.00 Uhr im Admiralspalast haben die Stars Günter Lamprecht, Hanna Schygulla, Barbara Sukowa, Gottfried John und Döblins Enkel Stefan Döblin ihr Kommen zugesagt. Die Galapremiere, gezeigt werden die Teile 1 und 2, wird veranstaltet von der Kulturstiftung des Bundes, der Rainer Werner Fassbinder Foundation und der Bavaria Film International. Die Moderation und musikalische Begleitung des Abends übernehmen Max Raabe & Palast Orchester. Berlin Alexanderplatz: Remastered wird als High Definition Projektion vom Dolby Digital Cinema System gezeigt.
Infos unter: www.fassbinderfoundation.de

Berlinale 2007 Countdown

Der Countdown zur Berlinale läuft, auch in diesem Jahr ist die Redaktion Filmriss mit einem Team vertreten. Fest steht schon jetzt, dass es ein hochkarätiges Festivalwerden wird, sowohl von der Filmqualität, als auch von den Gästen. Berlin wird wieder zum Treffpunkt von Schauspielern, die dort ihre Regiearbeiten präsentieren: Robert de Niro, Clint Eastwood, George Clooney. Wir informieren Sie aktuell über unseren Blog und via Podcasting im Netz.

Donnerstag, März 02, 2006

Die Berlinale zu Gast in Turin

Die Berlinale geht auf Reisen: Turin und die Region Piemont präsentieren vom 3. bis 5. März eine Auswahl des diesjährigen Festival-Programms. Drei Tage lang wird das Cinema Massimo in der piemontesischen Hauptstadt im Zeichen des Berliner Bären stehen: Insgesamt acht Filme der 56. Internationalen Filmfestspiele Berlin werden bei "Berlinale a Torino" zu sehen sein. "Ich freue mich, dass eine filmhistorisch bedeutende Stadt wie Turin unser Gastgeber ist und einige Berlinale-Highlights dem italienischen Publikum zeigt", sagt Berlinale-Direktor Dieter Kosslick.
In Zusammenarbeit mit dem Organisator Voir Trade srl hat die Berlinale aus den Sektionen Wettbewerb, Panorama und Forum eigens für Turin ein Programm zusammengestellt. Unterstützt wird "Berlinale a Torino" von der Stadt Turin, der Region Piemont, der Film Commission Torino Piemonte, dem Museo Nazionale del Cinema und Caffè Lavazza.
Panorama-Leiter Wieland Speck und der Italien-Delegierte des Festivals, Vincenzo Bugno, werden zur Eröffnung in Turin sein. Zum Auftakt von "Berlinale a Torino" wird der prämierte dänische Film En Soap von Pernille Fisher Christensen gezeigt. En Soap erhielt den Silbernen Bären – Großer Preis der Jury 2006 und wurde außerdem mit dem GWFF-Preis als Bester Erstlingsfilm bei der Berlinale 2006 ausgezeichnet. Abschlussfilm von "Berlinale a Torino" am 5. März ist der diesjährige Gewinner des Goldenen Bären: Grbavica von Jasmila Zbanic.

Dienstag, Februar 21, 2006

Filmland Schleswig-Holstein in Topform

Meldorfer Filmemacher Lars Jessen (s. Bild) erhält den Seebären. Mit einem Filmbrunch präsentierte sich diese Woche Schleswig-Holstein auf den Internationalen Filmfestspielen in Berlin. Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen und die Geschäftsführerin der Gesellschaft zur Förderung audiovisueller Werke (MSH) zeichneten in der Landesvertretung zwei Filmemacher aus dem nördlichsten Bundesland für besondere Verdienste um das Filmland Schleswig-Holstein aus. Dieser Preis in Form eines Seebären wird 2006 zum zweiten Mal verliehen.
„Ich bin sehr stolz, dass der Grimme-Preisträger Cay Wesnigk aus Bad Schwartau und der Max-Ophüls-Preisträger aus Meldorf, Lars Jessen, das Filmland Schleswig-Holstein hier auf der Berlinale repräsentieren“, sagte Christine Berg vor 300 Vertretern der Filmbranche, darunter Tom Tykwer (Produzent), Til Franzen (Regisseur), Bernd Saxe (Bürgermeister Hansestadt Lübeck), Albert Wiederspiel (Filmfest Hamburg), Axel Milberg (Schauspieler) und viele mehr.
In ihrer Laudatio auf C. Cay Wesnigk hob Berg seinen Beitrag als Schleswig-Holsteinischer Filmschaffender zur nationalen Reputation des nördlichsten Bundeslandes hervor. Der 1962 geborene Wesnigk gründete bereits 1987 seine eigene Filmproduktion und machte im gleichen Jahr seinen ersten Spielfilm „Cay Wesnigk arbeitet sehr professionell, ist unglaublich vielseitig, schaut weit über den Tellerrand hinaus und steht auch nach seiner Auszeichnung als Grimme-Preisträger mit beiden Beinen fest auf dem Boden“, beschreibt Christine Berg den Autor, Texter, Konzeptioner, Regisseur und Produzenten, der zudem Ehrenämter bei der AG Dokumentarfilm, beim Verband unabhängiger Filmproduzenten und der VG Bild-Kunst ausübt.
Laudator Bernd-Günther Nahm, Geschäftsführer der Kulturellen Filmförderung Schleswig-Holstein e.V., würdigte in seiner Rede den 1969 in Kiel geborenen Lars Jessen und seine Verdienste für das Filmland Schleswig-Holstein. Jessen verbrachte seine Jugend vorwiegend in Meldorf. Nach dem Magisterstudium (Geschichte, Politik, Philosophie) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Universität Köln absolvierte er den Zusatzstudiengang "Film/Fernsehen" an der Kölner Kunsthochschule für Medien. 1989 gewann er mit dem Kurzfilm "Dunkles Land am Meeresrand" den 2. Preis beim Wettbewerb "40 Jahre Schleswig-Holstein". Es folgten ein Regievolontariat bei der "Lindenstraße" und die Regie für TV-Serien "Aus gutem Haus", "Großstadtrevier" und "Wache Wismar".
Mit „Am Tag als Bobby Ewing starb“ gab Jessen sein Spielfilmdebüt. Für diesen Film, der von MSH und Kultureller Filmförderung unterstützt wurde, ist er 2005 mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet worden. Zurzeit realisiert Jessen für das ZDF fünf Folgen der neuen Serie „Da kommt Kalle“, die in Flensburg und Hamburg gedreht wurden.

Interview mit Christine Berg, Geschäftsführerin der MSH
Wie ist Ihrer Meinung nach das Filmland Schleswig-Holstein auf der Berlinale aufgestellt?
Berg: Ich glaube, wir sind sehr gut aufgestellt. Wir haben zwar keine großen Filme im Wettbewerb, wir haben aber mit Detlef Buck einen Schleswig-Holsteiner, der im Panorama läuft. Mit Lars Büchels Verfilmung eines Gedichts des Kieler Schriftstellers Arne Rautenberg haben wir einen Beitrag in der „Perspektive Deutsches Kino“ laufen. Und mit der Auszeichnung von Cay Wesnigk und Lars Jessen unterstützen wir zwei Filmemacher, die vor allem im letzten Jahr bundesweit für Aufsehen gesorgt haben. Aber die Berlinale ist ja nicht nur Filme zeigen, sondern auch Kontakte pflegen und aufbauen. Und ich weiß, dass gestern in einem der beliebtes Restaurants in Berlin sich viele Schleswig-Holsteiner mit Produzenten getroffen haben, um das ein oder andere neue Projekt zu realisieren. Sie präsentieren sich zum ersten Mal als neue Geschäftsführerin der MSH hier in Berlin.
Welche eigenen Akzente konnte Sie schon setzen und wohin geht’s in Zukunft?
Wir haben sehr viel angeschoben. Eines der wichtigsten Dinge ist, dass wir im November einen Filmpreis vergeben, der mit 55.000 Euro dotiert ist. Der Preis umfasst vier Kategorien: Bester Film (Spiel- oder Fernsehfilm), bestes Drehbuch, beste Dokumentation sowie „Preis für besondere Leistungen“. Wie sind dabei einen Pool aufzubauen, um Filmschaffende und Produzenten zusammenzubringen; wir bündeln Synergien, was uns zur Zeit sehr gut gelingt. Wir fördern und akquirieren neue Projekte. Es ist also unglaublich viel im Gange.
Gibt es im nächsten Jahr bereits einen gemeinsamen Filmbrunch mit Hamburg?
Wir sollten da Schritt für Schritt machen. Im Moment feiern wir die Berlinale 2006. Und was danach ist, wird danach besprochen und nicht heute. Aber es gibt bereits gemeinsame Kooperationen. Beispielsweise der NEwsletter „Aufblende“, der sehr gut ankommt. Dann haben wir gemeinsame Effekte, das bedeutet, wenn man bei uns Förderung beantragt, bekommt man das Geld, wenn man das anderthalbfache in Schleswig-Holstein ausgibt. Das gleiche gilt für Hamburg. Aber wir erkennen unsere Effekte gegenseitig an, das ist einzigartig in Deutschland. Wir machen zusammen Location und versuchen , die Motive Hamburgs und Schleswig-Holsteins gemeinsam zu vermarkten.
Der Ministerpräsident sprach vom Unique Selling Point des Landes. Was ist Ihrer Meinung nach das Einzigartige am Filmland Schleswig-Holstein?
Es sind auf der einen Seite die Motive, auf der anderen Seite die Geschichten. Wir haben eine einzigartige Art zu Erzählen, einen sehr eigenen Humor. Und das macht uns auch aus. Im Dokumentarfilmbereich wie beim Spielfilm.
Was gibt es 2006 Neues aus Schleswig-Holstein auf der Leinwand und dem Bildschirm zu sehen?
Es wird weiterhin zweimal im Jahr den Tatort aus Kiel geben mit Axel Milberg als Kommissar Borowski. Zum 50. Todestag Emil Noldes hat Dr. Wilfried Hauke eine Doku über das Leben und Werk des Malers gedreht. Gerade angelaufen ist „Die blaue Grenze“ von Till Franzen, die seiner Heimatstadt Flensburg spielt. Und Lars Jessen dreht für das ZDF die Serie „Da kommt Kalle“, in der ebenfalls die Flensburger Förde zu sehen sein wird. Außerdem wird es eine Dokumentation über das größte Heavy Metal Fest in Wacken geben, in der der Ministerpräsident eine maßgebliche Rolle spielt.
Andreas Guballa

Auf der Berlinale sind die Kleinen ganz groß

Das Kinderfilmfest der Internationalen Filmfestspiele Berlin wird immer beliebter; auch und gerade bei den Erwachsenen. Es hat sich herumgesprochen, dass hier anspruchsvolle Spielfilme aus aller Welt zu sehen sind. „ Unser Publikum schätzt es, dass wir es nicht nur mit Zuckerwasser übergießen, sondern dass wir ihnen auch Filme zeigen, die mit der Welt so umgehen wie sie ist: mal lustig, mal traurig. Gerade das bestätigen uns die Rückmeldungen der Zuschauer“ so der Leiter der Sektion, Thomas Hailer. Es sei ein Irrglaube zu denken, Kinder seien immer niedlich , gut gelaunt und witzig. „Das wollen uns manche Filmemacher Glauben machen. Aber wer sich erinnern kann, weiß, die Ups und Downs gibt es genauso wie bei den Erwachsenen.“
Als thematischer Bogen spannt sich in diesem Jahr die Frage nach den Auswirkungen der weltweit zunehmenden Migration auf das Zusammenleben der Generationen durch das gesamte Programm. Genauso wie das Problem, wie unterschiedliche Generationen jetzt und in Zukunft ihr ZUSammenleben bewerkstelligen können. „Egal ob Groß-Rest- oder Wahlfamilien, sie alle sind ideale Schauplätze für genau die Konflikte, denen sich Heranwachsende rund um den Globus zu stellen haben“ so Hailer weiter. Das Programm umfasst 21 Spielfilme aus 18 Ländern. Auffällig ist der hohe Anteil an Werken aus asiatischen Ländern. „ Hier beschäftigen sich derzeit gerade junge Filmemacher kontrovers und vielschichtig mit Lebensentwürfen jenseits der vorgegebenen Normen“ weiß der Sektionschef. So in der chinesisch-italienischen Koproduktion „Kann Shang Qu Hen Mei“ (Kleine rote Blume), in der der vierjährige Qiang im Kindergarten zu einem funktionierenden Mitglied der Gesellschaft erzogen werden soll.
In seinem Spielfilm-Debüt „Ang Pagdadalaga ni MAximo Oliveros“ (Maximo Oliveros blüht auf) widmet sich der philippinische Regisseur Auraeus Solito dem Alltag eines Jungen, der sich mitten im Kleinkriminellen-Milieu von Manila aufopferungsvoll um Vater und Brüder kümmert. Diese akzeptieren mit großer Selbstverständlichkeit sein Schwulsein, werden aber ziemlich nervös, als sich der Zwölfjährige für einen jungen Polizisten zu interessieren beginnt.

Deutschland ist mit zwei Spielfilm-Produktionen in der Sektion Kinderfilm vertreten. Die mit Spannung erwartete Neuverfilmung von Otfried Preußlers Kinderbuchklassiker „Der Räuber Hotzenplotz“ erlebte am Sonntag ihre Welturaufführung. Unter der Regie von Gernot Roll entstand ein schwungvolles und skurilles Familienabenteuer, das mit Armin Rohde als Hotzenplotz und vielen weiteren deutschen Stars glänzend besetzt ist. Auch der zweite deutsche Beitrag basiert auf einem unvergänglichen Klassiker. Psychologisch genau verdichtet Regisseurin Anne Wild in ihrem zweiten Spielfilm das Märchen von „Hänsel und Gretel“ zu einer schnörkellos erzählten Fabel. „Ich habe den Film sechs Wochen, nachdem in Deutschland der Armutsbericht veröffentlicht wurde, gesehen“ erläutert Thomas Hailer. Zuckerbunt sei das nicht, verteidigt er die auf den ersten Blick vermeintlich unpolitische deutsche Themenauswahl.

Auch sonst hat die Berlinale Vieles für die Heranwachsenden zu bieten. „Die Sektion 14Plus hat im dritten Jahr seinen Platz im Festival endgültig erobert“ ist Thomas Hailer stolz auf seine Initiative. „Die vollen Kinos sehen wir als großen Lob. Zugleich liefern wir damit der Branche Argumente für ein ganz neues Vertrauen in diese junge Zuschauer-Generation.“
Ebenfalls fortgesetzt wurde die Zusammenarbeit mit Berliner Schulen. Zwei Medienpädagogen stehen 45 ausgewählten Bildungseinrichtungen zur Seite, um sie qualifiziert auf die Einbindung der Filme in ihren Unterricht vorzubereiten und durch das Festival zu begleiten. Eine Premiere feierte in diesem Jahr der Berlinale-Kindergarten. Für zwei Filmlängen können die 18000 akkreditierten Festivalbesucher ihre Kinder im Alter zwischen zwei und zwölf Jahren dort betreuen lassen. „Das war ein besonderes Anliegen von Festivalleiter Dieter Kosslick, der jetzt selbst Vater ist“ schmunzelt Thomas Hailer.
Andreas Guballa
Am Samstag verleihen eine Kinderjury und eine Jugendjury den Gläsernen Bären, die Hauptpreise dieser Sektion: die Kinderjury kürt den besten Spielfilm und den besten Kurzfilm des Kinderfilmfestes, die Jugendjury vergibt einen Gläsernen Bären an den besten Spielfilm des Jugendfilmwettbewerbs 14plus. Zwei dotierte Preise des Deutschen Kinderhilfswerks werden von der Internationalen Jury des Kinderfilmfestes vergeben.

Nach dem Festival

Die Redaktion Filmriss hat ihre Liveberichterstattung beendet. Die einzelnen Sendung können aber über das Internet abgerufen werden. Auch in den nächsten Tagen und Wochen werden wir noch Informationen zum Festival, Filmbesprechungen etc. auf unserem Weblog zur Verfügung stellen.
Redaktion Filmriss

Berlinale geht zu Ende

Mit der Gala zur Preisverleihung erreichte die Berlinale 2006 am Samstag, 18. Februar, ihren glanzvollen Höhepunkt. Die von Heino Ferch moderierte Veranstaltung im Berlinale-Palast wurde live in 3sat ausgestrahlt und die Zuschauer fieberten am Bildschirm mit, wer die glücklichen Gewinner werden (siehe Preisträgerliste).
Unter den prominenten Gästen des Abends waren neben den Preisträgern u.a. Roberto Benigni, Nicoletta Braschi, Meret Becker, Bibiana Beglau, Jürgen Böttcher, Detlef Buck, Ingrid Caven, Hannelore Elsner, Martina Gedeck, Matthias Glasner, Romuald Karmakar, Jan Josef Liefers, Peter Lohmeyer, Anna Loos, Florian Lukas, Franka Potente, Oskar Roehler, Otto Sander und Wim Wenders.
Das Interesse an der Berlinale 2006 war sowohl seitens der Fachbesucher als auch des Publikums größer denn je. Mehr als 19.000 Akkreditierte aus 120 Ländern, darunter 3.800 Journalisten, kamen zum Festival. Begeisterter Zuspruch auch beim Publikum: Über 150.000 Zuschauer strömten in die Berlinale-Kinos, in denen in rund 1.115 Vorführungen 360 Filme gezeigt wurden. Für das Publikum gibt es am Sonntag eine Zugabe: Eine Auswahl der Festivalfilme wird noch einmal am „Kinotag“ gezeigt.
Einen gelungenen Start feierte der European Film Market in seinem neuen Domizil, dem Martin-Gropius-Bau. Mit über 250 teilnehmenden Firmen und rund 650 Filmen hat der EFM nicht nur erheblich an Größe und Bedeutung gewonnen, sondern auch erfolgreich seine Neupositionierung in der internationalen Branche realisiert. „Ich freue mich über die gute Stimmung dieser Berlinale“, sagt Festival-Direktor Dieter Kosslick. „Mit dem neuen European Film Market haben wir den letzten Baustein der Neustrukturierung des Festivals eingesetzt. Die Initiativen der letzten fünf Jahre wurden positiv aufgenommen und tragen erste Früchte. Dass wir nicht nur für die Branche, sondern auch für das Publikum noch attraktiver geworden sind, ist eine schöne Bilanz. Für mich war’s eine glückliche Berlinale.“

Freitag, Februar 17, 2006

Der Asiatische Film auf der Berlinale - eine Übersicht

Der Asiatische Film ist erneut ein großer Teil der Berlinale geworden, insgesamt 35 Beiträge sind im Festival zu finden. Hier eine Auswahl der Filme aus Asien:

Im Wettbewerb treten drei Filme an. Im düsteren Invisible Waves flieht ein japanischer Koch vor dem Gesetz und durchlebt auf einem Schiff eine Reihe von halluzinatorischen Begegnungen. Am Festland angekommen ist ihm die Mafia auf den Fersen. Kameragenie Christopher Doyle sorgt für eine besondere visuelle Stimmung, in der Hauptrolle ist Asano Tadanobu zu sehen. Eine Vater/Tocher-Beziehung erzählt Isabella. Der frustrierte Polizeibeamte Shing versucht das junge Mädchen Yan zu einem One-Night-Stand zu überreden, diese konfrontiert ihn jedoch mit der Tatsache das sie seine Tochter sei von dessen Existenz er nichts wußte. Als Yan dann auch noch bei ihm einziehen will stellt sich bald die Frage ob Shing väterliche Verantwortung übernehmen kann. Fliegende Schwertkämpfer und chinesiche Mythen sind in Wuji/The Promise zu sehen. Regisseur Chen Kaige, bekannt durch Lebewohl meine Konkubine, hat den teuersten Film Chinas gedreht, dabei aber durch zuviel Pathos und eine wirre Handlung sein Ziel verfehlt. Im Panorama sind ebenfalls große Namen vertreten: Rekord- und Extremfilmer Takashi Miike bringt uns die Big Bang Love, Juvenile A in dem zwei junge verurteilte Mörder im Gefängnis aufeinandertreffen. Der schüchterne Jun und der knallharte Shiro werden trotz ihrer Unterschiede zu Freunden in einer Welt voller Gewalt. Dead Run von Regisseur Sabu, der in den letzten Jahren mehrfach im Forum mit Filmen wie Blessing Bell oder D.A.N.G.A.N. Runner vertreten war, zeigt eine Geschichte voller Geheimnisse und Unwägbarkeiten. Das Leben des jungen Shuji ist vom Zerfall seines Wohnortes geprägt, Baulöwen und Gangster übernehmen die Macht. Ein undurchsichtiger Priester nimmt sich des Jungens an. In Little Red Flowers rebelliert ein vierjähriger im Kindergarten gegen die Versuche ihn zu einem funktionierenden Mitglied der chinesischen Gesellschaft zu machen. Ein
tiefer Blick in die Schule der Nation. 4:30 thematisiert die Einsamkeit von einem elfjährigen
Jungen aus Singapur, der diese durch gemeinsame Momente mit einem Mann Anfang Dreißig überwinden will. Ein Film über das urbane Leben und zwischenmenschliche Beziehungen. Memories in the Mist aus Indien ist kein typisches Bollywood sondern zeigt einen Underdog der in der heutigen materiellen Welt es nicht schafft oder nicht willens ist um jeden Preis erfolgreich zu sein. Die Vielfalt des asiatischen Films findet ihren Gipfel im Forum. Spektakulär und extrem ist der Strange Circus, eine Menagerie voll von sexueller Gewalt, Inzucht und Rache. Die Obsessionen eines zornigen jungen Mannes nach dem Selbstmordversuch seiner Mutter zeigt The Peter Pan Formula. Einen völlig anderen Blick auf Korea wirft Dear Pongyan aus Japan, in dem die Eltern der Filmemacherin nach der Teilung des Landes sich für eine Staatsbürgerschaft entscheiden müssen. Die Regisseurin Yang zeigt nicht nur ein liebevolles Portrait des störrischen Vaters sondern liefert zugleich erstaunliche Innenansichten vom
Alltag der kommunistischen Hauptstadt. Asien und Amerika treffen in Big River auf einander, der japanische Superstar Odagiri Joe begegnet in der spektakulären Landschaft in der Wüste Arizonas auf eine Amerikanerin und einen Pakistani. Die Teenagerin Aimie und ihr Freund schaffen es dagegen nicht in dem ruhigenIn Between Days ihre Gefühle auszudrücken,
Before Born ist ein Thriller ohne Plot voll rätselhafter Schönheit und unaufgelöster Fragen und
John & Jane arbeiten in einem Call Center in Bombay, immer bestrebt sich dem amerikanischen Markt anzupassen. Denen hilft vielleicht nur noch den Bollywood-Stil in Parnineeta zu zelebrieren.
Selbst das Kinderfilmfestival bietet einige Beiträge wie den Eröffnungsfilm der 14Plus-Reihe You & Me, in dem ein Mädchen Veränderung in das Leben einer alten Dame bringt. Ein besonderes Highlight sind zudem noch 9 Genrefilme des japanischen Meisterregisseurs Nakagawa Nobuo aus den 50er- und 60er Jahren. Horrorfilmklassiker wie Ghost Story of Ntsuya oder Schwertkampf-Dramen wie Okatsu the Avenger machen besonders in der Mitternachtsvorstellung Spaß.
Carsten Giese

Donnerstag, Februar 16, 2006

MY COUNTRY, MY COUNTRY Regie: Laura Poitras

Die US-amerikanische Filmemacherin begleitet über sechs Monate das Geschehen um die Wahlen im Irak. Durch sie erhalten wir die Bilder, die in den abstrakten Berichten der Medien verschluckt werden. Sie zeigt uns US-amerikanische Soldaten, deren Auftrag als Ordnungshüter jederzeit zum Himmelfahrtskommando werden kann und den Zynismus, den das Überleben in solcher Situation aufbaut. Wir bekommen Einblick in das Bemühen eines sunnitischen "Islamisten", der sich um ein demokratisches Bewußtsein bemüht und sich - trotzdem seine Wählerschicht von den Wahlen nicht begeistert war - als Kandidat aufstellen läßt. Laura Poitras hat u.a. seinen Zugang zu Abu Graib dokumentiert. MY COUNTRY, MY COUNTRY kann auch für Beobachter des Geschehens in den Nachrichten interessant sein. Er veranschaulicht das Thema. Und versucht dabei, nicht parteiisch zu sein.
Meike Gastner

Ausser Konkurrenz: V wie Vendetta

Das ist der Titel der neuen Produktion von Joel Silver, der bereits die Lethal Weapon-Reihe realisierte und den Wachowski-Brüdern, die als die Regisseure der The Matrix-Trilogie weltbekannt wurden. In den späten 80ern sicherte sich Silver die Rechte für die Verfilmung des Comics, den der berühmte britische Autor Alan Moore kreierte.Die Gebrüder Wachowski verfassten schon in den 90er Jahren zahlreiche Drehbuchentwürfe. Der erste Kinofilm des Regisseurs James McTeague nimmt außer Konkurrenz am Wettbewerb der Berlinale teil. Produzent Joel Silver wurde auf der Pressekonferenz zum Film gefragt, ob der Autor Alan Moore den Film gesehen hätte? Ich weiß nicht ob Alan Moore den Film gesehen hat. Er hat bisher keine guten Erfahrungen mit den Verfilmungen seiner Stoffe gesammelt. Er wollte bei diesem Projekt nicht mitwirken und bat uns seinen Namen aus den Credits zu entfernen.Wir kamen diesem Wunsch nach. Ich hoffe, das er sich den Film irgendwann einmal anschauen wird.Wer weiß das schon? Wir versuchten unser Bestes dem Original möglichst nahe zu kommen. Der Film spielt im Großbritannien der nahen Zukunft und zeigt den Kampf des maskierten Anarchisten V, der mit terroristischen Methoden einen einsamen Rachefeldzug gegen ein faschistisches Regime führt. Hugo Weaving, der uns als Agent Smith in der Matrix begegnete, spielt die Hauptrolle und Natalie Portman, bekannt als Prinzessin Amidala aus den Star Wars -Prequels, ist seine einzige Verbündete Evey. Hatte sie keine Bedenken dabei, in einem Film mitzuwirken, dessen Held terroristische Mittel als Waffe einsetzt? In meinen Geburtsland Israel , wo ich aufwuchs war diese Problematik ständig präsent und die Kontroverse existiert so lange ich denken kann. Ich freue mich dass der Film die richtigen Fragen zu diesem Thema aufwirft. Dem Film merkt man die zahlreichen Drehbuchänderungen und Schwierigkeiten während der Produktion an. So wurde der Darsteller des Rächers V mehrfach nach Beginn der Dreharbeiten ausgetauscht. Im fertigen Film kann der Zuschauer einen unbekannten Schauspieler, mehrere Stuntmen und den Australier Hugo Weaving dabei bewundern, wie sie den schwarzgewandeten Freiheitskämpfer verkörpern. Die Vendetta ist oft unfreiwillig komisch, da die zentrale Idee des Filmes, der Kampf um die Freiheit, dem Publikum mit einer abstrusen Mischung aus brachialen Actionsequenzen und phrasenhaften
Dialogzeilen um die Ohren gehauen wird.
Carsten Giese

kostenloser Counter