Donnerstag, Januar 25, 2007

Berlinale Countdown - noch 14 Tage

Pünktlich zur Berlinale serviert der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe unter dem deftigen Titel: „Das Schmollen der Autisten“ einen Essay über den Zustand der deutschen Filmkritik aus der Sicht eines Produzenten. Autor ist kein geringerer als Günter Rohrbach, einer der bedeutendsten deutschen Film- und Fernsehproduzenten. Grundtenor dieses zweiseitigen Textes: Die Filmkritiker piesacken uns ständig, verreißen die großen Produktionen, hypen Außenseiterproduktionen hoch. Rohrbach behauptet, in diesem Spiel gibt es keine Waffengleichheit. Wer sich in der deutschen und internationalen Medienlandschaft mit offenen Augen umsieht wird sich allerdings fragen, wie der Autor zu diesem Eindruck kommt. Ein Großteil der Berichterstattung über aktuelle Filmproduktionen gerade in den großen Medien ist doch nichts anderes als geschickt verpacktes Marketing bzw. „embedded product“ im redaktionellen Teil der entsprechenden Medien. Dennoch: gerade auf der Berlinale lässt sich das ganze Spektrum der Filmkritiker studieren: Die „eitlen Selbstdarsteller“ (O-Ton Rohrbach), die arroganten Typen, die Produktionen in einem Nebensatz („… ein Nichts von einem Film“) abhaken, oder die Ignoranten die in den Pressekonferenzen durch peinliche, schmerzhafte und inkompetente Fragen ihr Umfeld nerven. Man vermisst oft den minimalsten Respekt gegen den Verantwortlichen eines Films, die sich natürlich bemühen ein gutes Produkt abzuliefern. Wie kann da noch Leidenschaft für das Kino aufkommen? Wir versprechen diesmal eine Berlinale-Rubrik unter dem Thema: Die dämlichste Journalistenfrage des Tages !
Ulf Engelmayer

Mittwoch, Januar 24, 2007

Berlinale Countdown - noch 15 Tage

Nach 14 Tage bis zum Berlinalestart, das Fieber steigt. Das stationäre Studio der Redaktion Filmriss wird sich wieder in der schleswig-holsteinischen Landesvertretung befinden, der Übertragungswagen des Göttinger StadtRadios steht wie schon im letzten Jahr am Potsdamer Platz direkt vor dem Hyatt Hotel. Noch ist wenig über das Festival in den einschlägigen Medien zu vernehmen, der ersten Blogs haben allerdings schon ihre Produktion aufgenommen. Das Programm steht fast, aktuell fällt mir nur dazu ein, dass der schon im letzten Rolling Stone besprochene Film „The Red Elvis“ im Panoramaprogramm zu sehen sein wird. Noch was schickes zum Schluss: Kino jenseits seiner Grenzen: Zum zweiten Mal präsentiert Forum expanded Videokunst, Experimental- und Undergroundfilme. Das Herzstück von Forum expanded bildet in diesem Jahr das „Gossip Studio“ im Atrium des Filmhauses, ein Salon zur Herstellung und Verbreitung von Klatsch im Untergrund mit Cocktail Bar und Beauty Moments – entworfen und präsentiert von der Künstlergruppe CHEAP (Marc Siegel, Susanne Sachße, Daniel Hendrickson und Tim Blue) mit Drag-Künstler Vaginal Davis aus Los Angeles.
Ulf Engelmayer

Montag, Januar 22, 2007

Irina Palm im Wettbewerb

IRINA PALM ist eine warmherzige britische Sozialkomödie, in der die Sängerin und Schauspielerin Marianne Faithfull fulminant und überzeugend die herausfordernde Hauptrolle spielt. Der Regisseur Sam Gabarski gab vor zwei Jahren mit der Familienkomödie der TANGO DER RASCHEVSKIS sein Kinodebüt.
Die Geschichte: Maggie (Marianne Faithfull) eine 45-jährige Witwe, versucht verzweifelt Geld aufzutreiben, um die dringend notwendige medizinische Behandlung für ihren kranken Enkel zu bezahlen. Nach mehreren vergeblichen Versuchen Arbeit zu finden, landet Maggie in den Straßen von Soho, wo sie im Fenster eines Sex-Shops ein Schild „Hostess gesucht“ entdeckt. Zu verloren um zu realisieren, was sie da tut, betritt sie den Shop. Unter dem Pseudonym „Irina Palm“ nimmt sich Maggie mutig ihres ersten anonymen Kunden an. Und eines muss man ihr lassen: Wenn sie etwas macht, will sie es auch gut machen...
im Verleih von X Verleih - Kinostart Frühjahr 2007

Freitag, Januar 19, 2007

Starker Berlinaleauftakt ?

In diesem Jahr kann man hoffen, dass die Tradition, zur Eröffnung der Berlinale einen schwachen aber mit illustren Namen besetzten Film zu zeigen, durchbrochen wird. „La vie en rose“ heißt die französische Produktion unter der Regie von Olivier Dahan und ist eine filmische Biografie über die legendäre Chansonette Edith Piaf. Die Hauptrolle wurde mit Marion Cotillard besetzt, die durch durch Luc Bessons Kassenschlager „Taxi“ bekannt wurde. Leider sind mir noch keine Reaktionen aus Frankreich zu Ohren gekommen, wie dieser Film, der ja eine nationale Ikone zum Thema hat, in Frankreich aufgenommen worden ist. Ein Blick in das jetzt schon vorliegende Programm lässt einen noch höheren Qualitätssprung im Festivalprogramm vermuten. Kosslick hat hier in den letzten Jahren eine systematische und konsequente Politik betrieben. Ein Tipp zum Schluss: wer das Videoportal youtube und anverwandte Klone im Prinzip für eine gute Idee hält, aber mit den dort eingestellten Inhalten wenig anfangen kann, sollte sich einmal auf den Internetseiten des Berlinale Talent Campus anschauen. Hier zeigt sich, was der internationale Filmnachwuchs so produziert.
Ulf Engelmayer

Donnerstag, Januar 18, 2007

Independent Film Lounge

Genau mit dem Beginn der Internationalen Filmfestspiele Berlin (8.-18 Februar 2007), eröffnet in Berlin Mitte die Independent Film Lounge. Die Räume sollen während der Berlinale als Treffpunkt, Austauschforum, Lounge, Restaurant, Kino, Club und Café dienen. Hoch oben, über den Dächern von Berlin, stehen für den gesamten Zeitraum der Berlinale die Räumlichkeiten 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Es wird ein besonderes Kinoangebot geben und ein leckeres Speiseangebot mit einem außergewöhnlichem Party- und Konzertangebot. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich Konferenzräume zu mieten. In dem Kino der Independent Lounge sollen Filmemacher die Möglichkeit erhalten, ihre Arbeit, die bei der Berlinale nicht angenommen wurde, zu zeigen.
www.independentfilmlounge.de

Berlinale - die Qual der Wahl

Die Wundertüte der Berlinale ist geöffnet, als Beobachter und Teilnehmer steht man nun vor der Qual der Wahl. Schwerpunkt Klassiker ? Da wäre der Fassbindermarathon mit der digitalisierten Version von „Berlin Alexanderplatz“, die Retrospektive „City Girls“ oder die Legende „Magnum in Motion“. Das Elend jedes Cineasten auf dem Festival: alles kann man nicht sehen, vieles wird man nie wieder auf deutschen Leinwänden sehen. Der erfahrene Besucher weiß, die spannendsten Begegnungen finden sich abseits der ausgetretenen Pfade, dort wo man noch die Kreativität, die Leidenschaft, aber auch die Leidensfähigkeit engagierter Filmemacher spürt. Einen Besuch wert ist sicherlich „Kulinarisches Kino – Eat, Drink, See Movies“. Unter der Moderation des unvermeidlichen Kochshow-Gastgebers Alfred Biolek, werden Filmemacher, gastronomische Experten und andere Kulturschaffende die kreativen, hedonistischen und politischen Zusammenhänge zwischen Film und Ernährung erforschen. Diesen Zusammenhang erlebt jeder Festivalbesucher während der Berlinale hautnah, nur das für kulinarische Raffinessen in der Regel keine Zeit bleibt.
Ulf Engelmayer

Dienstag, Januar 16, 2007

Fassbinders Berlin Alexanderplatz: Remastered

Weltpremiere in der Reihe Berlinale Special: Fassbinders Berlin Alexanderplatz: Remastered.
Berlin Alexanderplatz ist der Höhepunkt seines Schaffens: Die tragische Geschichte von Franz Biberkopf nach dem Roman von Alfred Döblin gilt als Fassbinders radikalstes und persönlichstes Werk. Zum 25. Todesjahr des erfolgreichsten deutschen Nachkriegsregisseurs wird sein Hauptwerk in einer für das Kino aufwändig restaurierten Fassung bei der Berlinale uraufgeführt.
Zur Premiere von Berlin Alexanderplatz: Remastered am 9. Februar um 20.00 Uhr im Admiralspalast haben die Stars Günter Lamprecht, Hanna Schygulla, Barbara Sukowa, Gottfried John und Döblins Enkel Stefan Döblin ihr Kommen zugesagt. Die Galapremiere, gezeigt werden die Teile 1 und 2, wird veranstaltet von der Kulturstiftung des Bundes, der Rainer Werner Fassbinder Foundation und der Bavaria Film International. Die Moderation und musikalische Begleitung des Abends übernehmen Max Raabe & Palast Orchester. Berlin Alexanderplatz: Remastered wird als High Definition Projektion vom Dolby Digital Cinema System gezeigt.
Infos unter: www.fassbinderfoundation.de

Berlinale 2007 Countdown

Der Countdown zur Berlinale läuft, auch in diesem Jahr ist die Redaktion Filmriss mit einem Team vertreten. Fest steht schon jetzt, dass es ein hochkarätiges Festivalwerden wird, sowohl von der Filmqualität, als auch von den Gästen. Berlin wird wieder zum Treffpunkt von Schauspielern, die dort ihre Regiearbeiten präsentieren: Robert de Niro, Clint Eastwood, George Clooney. Wir informieren Sie aktuell über unseren Blog und via Podcasting im Netz.

Donnerstag, März 02, 2006

Die Berlinale zu Gast in Turin

Die Berlinale geht auf Reisen: Turin und die Region Piemont präsentieren vom 3. bis 5. März eine Auswahl des diesjährigen Festival-Programms. Drei Tage lang wird das Cinema Massimo in der piemontesischen Hauptstadt im Zeichen des Berliner Bären stehen: Insgesamt acht Filme der 56. Internationalen Filmfestspiele Berlin werden bei "Berlinale a Torino" zu sehen sein. "Ich freue mich, dass eine filmhistorisch bedeutende Stadt wie Turin unser Gastgeber ist und einige Berlinale-Highlights dem italienischen Publikum zeigt", sagt Berlinale-Direktor Dieter Kosslick.
In Zusammenarbeit mit dem Organisator Voir Trade srl hat die Berlinale aus den Sektionen Wettbewerb, Panorama und Forum eigens für Turin ein Programm zusammengestellt. Unterstützt wird "Berlinale a Torino" von der Stadt Turin, der Region Piemont, der Film Commission Torino Piemonte, dem Museo Nazionale del Cinema und Caffè Lavazza.
Panorama-Leiter Wieland Speck und der Italien-Delegierte des Festivals, Vincenzo Bugno, werden zur Eröffnung in Turin sein. Zum Auftakt von "Berlinale a Torino" wird der prämierte dänische Film En Soap von Pernille Fisher Christensen gezeigt. En Soap erhielt den Silbernen Bären – Großer Preis der Jury 2006 und wurde außerdem mit dem GWFF-Preis als Bester Erstlingsfilm bei der Berlinale 2006 ausgezeichnet. Abschlussfilm von "Berlinale a Torino" am 5. März ist der diesjährige Gewinner des Goldenen Bären: Grbavica von Jasmila Zbanic.

Dienstag, Februar 21, 2006

Filmland Schleswig-Holstein in Topform

Meldorfer Filmemacher Lars Jessen (s. Bild) erhält den Seebären. Mit einem Filmbrunch präsentierte sich diese Woche Schleswig-Holstein auf den Internationalen Filmfestspielen in Berlin. Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen und die Geschäftsführerin der Gesellschaft zur Förderung audiovisueller Werke (MSH) zeichneten in der Landesvertretung zwei Filmemacher aus dem nördlichsten Bundesland für besondere Verdienste um das Filmland Schleswig-Holstein aus. Dieser Preis in Form eines Seebären wird 2006 zum zweiten Mal verliehen.
„Ich bin sehr stolz, dass der Grimme-Preisträger Cay Wesnigk aus Bad Schwartau und der Max-Ophüls-Preisträger aus Meldorf, Lars Jessen, das Filmland Schleswig-Holstein hier auf der Berlinale repräsentieren“, sagte Christine Berg vor 300 Vertretern der Filmbranche, darunter Tom Tykwer (Produzent), Til Franzen (Regisseur), Bernd Saxe (Bürgermeister Hansestadt Lübeck), Albert Wiederspiel (Filmfest Hamburg), Axel Milberg (Schauspieler) und viele mehr.
In ihrer Laudatio auf C. Cay Wesnigk hob Berg seinen Beitrag als Schleswig-Holsteinischer Filmschaffender zur nationalen Reputation des nördlichsten Bundeslandes hervor. Der 1962 geborene Wesnigk gründete bereits 1987 seine eigene Filmproduktion und machte im gleichen Jahr seinen ersten Spielfilm „Cay Wesnigk arbeitet sehr professionell, ist unglaublich vielseitig, schaut weit über den Tellerrand hinaus und steht auch nach seiner Auszeichnung als Grimme-Preisträger mit beiden Beinen fest auf dem Boden“, beschreibt Christine Berg den Autor, Texter, Konzeptioner, Regisseur und Produzenten, der zudem Ehrenämter bei der AG Dokumentarfilm, beim Verband unabhängiger Filmproduzenten und der VG Bild-Kunst ausübt.
Laudator Bernd-Günther Nahm, Geschäftsführer der Kulturellen Filmförderung Schleswig-Holstein e.V., würdigte in seiner Rede den 1969 in Kiel geborenen Lars Jessen und seine Verdienste für das Filmland Schleswig-Holstein. Jessen verbrachte seine Jugend vorwiegend in Meldorf. Nach dem Magisterstudium (Geschichte, Politik, Philosophie) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Universität Köln absolvierte er den Zusatzstudiengang "Film/Fernsehen" an der Kölner Kunsthochschule für Medien. 1989 gewann er mit dem Kurzfilm "Dunkles Land am Meeresrand" den 2. Preis beim Wettbewerb "40 Jahre Schleswig-Holstein". Es folgten ein Regievolontariat bei der "Lindenstraße" und die Regie für TV-Serien "Aus gutem Haus", "Großstadtrevier" und "Wache Wismar".
Mit „Am Tag als Bobby Ewing starb“ gab Jessen sein Spielfilmdebüt. Für diesen Film, der von MSH und Kultureller Filmförderung unterstützt wurde, ist er 2005 mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet worden. Zurzeit realisiert Jessen für das ZDF fünf Folgen der neuen Serie „Da kommt Kalle“, die in Flensburg und Hamburg gedreht wurden.

Interview mit Christine Berg, Geschäftsführerin der MSH
Wie ist Ihrer Meinung nach das Filmland Schleswig-Holstein auf der Berlinale aufgestellt?
Berg: Ich glaube, wir sind sehr gut aufgestellt. Wir haben zwar keine großen Filme im Wettbewerb, wir haben aber mit Detlef Buck einen Schleswig-Holsteiner, der im Panorama läuft. Mit Lars Büchels Verfilmung eines Gedichts des Kieler Schriftstellers Arne Rautenberg haben wir einen Beitrag in der „Perspektive Deutsches Kino“ laufen. Und mit der Auszeichnung von Cay Wesnigk und Lars Jessen unterstützen wir zwei Filmemacher, die vor allem im letzten Jahr bundesweit für Aufsehen gesorgt haben. Aber die Berlinale ist ja nicht nur Filme zeigen, sondern auch Kontakte pflegen und aufbauen. Und ich weiß, dass gestern in einem der beliebtes Restaurants in Berlin sich viele Schleswig-Holsteiner mit Produzenten getroffen haben, um das ein oder andere neue Projekt zu realisieren. Sie präsentieren sich zum ersten Mal als neue Geschäftsführerin der MSH hier in Berlin.
Welche eigenen Akzente konnte Sie schon setzen und wohin geht’s in Zukunft?
Wir haben sehr viel angeschoben. Eines der wichtigsten Dinge ist, dass wir im November einen Filmpreis vergeben, der mit 55.000 Euro dotiert ist. Der Preis umfasst vier Kategorien: Bester Film (Spiel- oder Fernsehfilm), bestes Drehbuch, beste Dokumentation sowie „Preis für besondere Leistungen“. Wie sind dabei einen Pool aufzubauen, um Filmschaffende und Produzenten zusammenzubringen; wir bündeln Synergien, was uns zur Zeit sehr gut gelingt. Wir fördern und akquirieren neue Projekte. Es ist also unglaublich viel im Gange.
Gibt es im nächsten Jahr bereits einen gemeinsamen Filmbrunch mit Hamburg?
Wir sollten da Schritt für Schritt machen. Im Moment feiern wir die Berlinale 2006. Und was danach ist, wird danach besprochen und nicht heute. Aber es gibt bereits gemeinsame Kooperationen. Beispielsweise der NEwsletter „Aufblende“, der sehr gut ankommt. Dann haben wir gemeinsame Effekte, das bedeutet, wenn man bei uns Förderung beantragt, bekommt man das Geld, wenn man das anderthalbfache in Schleswig-Holstein ausgibt. Das gleiche gilt für Hamburg. Aber wir erkennen unsere Effekte gegenseitig an, das ist einzigartig in Deutschland. Wir machen zusammen Location und versuchen , die Motive Hamburgs und Schleswig-Holsteins gemeinsam zu vermarkten.
Der Ministerpräsident sprach vom Unique Selling Point des Landes. Was ist Ihrer Meinung nach das Einzigartige am Filmland Schleswig-Holstein?
Es sind auf der einen Seite die Motive, auf der anderen Seite die Geschichten. Wir haben eine einzigartige Art zu Erzählen, einen sehr eigenen Humor. Und das macht uns auch aus. Im Dokumentarfilmbereich wie beim Spielfilm.
Was gibt es 2006 Neues aus Schleswig-Holstein auf der Leinwand und dem Bildschirm zu sehen?
Es wird weiterhin zweimal im Jahr den Tatort aus Kiel geben mit Axel Milberg als Kommissar Borowski. Zum 50. Todestag Emil Noldes hat Dr. Wilfried Hauke eine Doku über das Leben und Werk des Malers gedreht. Gerade angelaufen ist „Die blaue Grenze“ von Till Franzen, die seiner Heimatstadt Flensburg spielt. Und Lars Jessen dreht für das ZDF die Serie „Da kommt Kalle“, in der ebenfalls die Flensburger Förde zu sehen sein wird. Außerdem wird es eine Dokumentation über das größte Heavy Metal Fest in Wacken geben, in der der Ministerpräsident eine maßgebliche Rolle spielt.
Andreas Guballa

Auf der Berlinale sind die Kleinen ganz groß

Das Kinderfilmfest der Internationalen Filmfestspiele Berlin wird immer beliebter; auch und gerade bei den Erwachsenen. Es hat sich herumgesprochen, dass hier anspruchsvolle Spielfilme aus aller Welt zu sehen sind. „ Unser Publikum schätzt es, dass wir es nicht nur mit Zuckerwasser übergießen, sondern dass wir ihnen auch Filme zeigen, die mit der Welt so umgehen wie sie ist: mal lustig, mal traurig. Gerade das bestätigen uns die Rückmeldungen der Zuschauer“ so der Leiter der Sektion, Thomas Hailer. Es sei ein Irrglaube zu denken, Kinder seien immer niedlich , gut gelaunt und witzig. „Das wollen uns manche Filmemacher Glauben machen. Aber wer sich erinnern kann, weiß, die Ups und Downs gibt es genauso wie bei den Erwachsenen.“
Als thematischer Bogen spannt sich in diesem Jahr die Frage nach den Auswirkungen der weltweit zunehmenden Migration auf das Zusammenleben der Generationen durch das gesamte Programm. Genauso wie das Problem, wie unterschiedliche Generationen jetzt und in Zukunft ihr ZUSammenleben bewerkstelligen können. „Egal ob Groß-Rest- oder Wahlfamilien, sie alle sind ideale Schauplätze für genau die Konflikte, denen sich Heranwachsende rund um den Globus zu stellen haben“ so Hailer weiter. Das Programm umfasst 21 Spielfilme aus 18 Ländern. Auffällig ist der hohe Anteil an Werken aus asiatischen Ländern. „ Hier beschäftigen sich derzeit gerade junge Filmemacher kontrovers und vielschichtig mit Lebensentwürfen jenseits der vorgegebenen Normen“ weiß der Sektionschef. So in der chinesisch-italienischen Koproduktion „Kann Shang Qu Hen Mei“ (Kleine rote Blume), in der der vierjährige Qiang im Kindergarten zu einem funktionierenden Mitglied der Gesellschaft erzogen werden soll.
In seinem Spielfilm-Debüt „Ang Pagdadalaga ni MAximo Oliveros“ (Maximo Oliveros blüht auf) widmet sich der philippinische Regisseur Auraeus Solito dem Alltag eines Jungen, der sich mitten im Kleinkriminellen-Milieu von Manila aufopferungsvoll um Vater und Brüder kümmert. Diese akzeptieren mit großer Selbstverständlichkeit sein Schwulsein, werden aber ziemlich nervös, als sich der Zwölfjährige für einen jungen Polizisten zu interessieren beginnt.

Deutschland ist mit zwei Spielfilm-Produktionen in der Sektion Kinderfilm vertreten. Die mit Spannung erwartete Neuverfilmung von Otfried Preußlers Kinderbuchklassiker „Der Räuber Hotzenplotz“ erlebte am Sonntag ihre Welturaufführung. Unter der Regie von Gernot Roll entstand ein schwungvolles und skurilles Familienabenteuer, das mit Armin Rohde als Hotzenplotz und vielen weiteren deutschen Stars glänzend besetzt ist. Auch der zweite deutsche Beitrag basiert auf einem unvergänglichen Klassiker. Psychologisch genau verdichtet Regisseurin Anne Wild in ihrem zweiten Spielfilm das Märchen von „Hänsel und Gretel“ zu einer schnörkellos erzählten Fabel. „Ich habe den Film sechs Wochen, nachdem in Deutschland der Armutsbericht veröffentlicht wurde, gesehen“ erläutert Thomas Hailer. Zuckerbunt sei das nicht, verteidigt er die auf den ersten Blick vermeintlich unpolitische deutsche Themenauswahl.

Auch sonst hat die Berlinale Vieles für die Heranwachsenden zu bieten. „Die Sektion 14Plus hat im dritten Jahr seinen Platz im Festival endgültig erobert“ ist Thomas Hailer stolz auf seine Initiative. „Die vollen Kinos sehen wir als großen Lob. Zugleich liefern wir damit der Branche Argumente für ein ganz neues Vertrauen in diese junge Zuschauer-Generation.“
Ebenfalls fortgesetzt wurde die Zusammenarbeit mit Berliner Schulen. Zwei Medienpädagogen stehen 45 ausgewählten Bildungseinrichtungen zur Seite, um sie qualifiziert auf die Einbindung der Filme in ihren Unterricht vorzubereiten und durch das Festival zu begleiten. Eine Premiere feierte in diesem Jahr der Berlinale-Kindergarten. Für zwei Filmlängen können die 18000 akkreditierten Festivalbesucher ihre Kinder im Alter zwischen zwei und zwölf Jahren dort betreuen lassen. „Das war ein besonderes Anliegen von Festivalleiter Dieter Kosslick, der jetzt selbst Vater ist“ schmunzelt Thomas Hailer.
Andreas Guballa
Am Samstag verleihen eine Kinderjury und eine Jugendjury den Gläsernen Bären, die Hauptpreise dieser Sektion: die Kinderjury kürt den besten Spielfilm und den besten Kurzfilm des Kinderfilmfestes, die Jugendjury vergibt einen Gläsernen Bären an den besten Spielfilm des Jugendfilmwettbewerbs 14plus. Zwei dotierte Preise des Deutschen Kinderhilfswerks werden von der Internationalen Jury des Kinderfilmfestes vergeben.

Nach dem Festival

Die Redaktion Filmriss hat ihre Liveberichterstattung beendet. Die einzelnen Sendung können aber über das Internet abgerufen werden. Auch in den nächsten Tagen und Wochen werden wir noch Informationen zum Festival, Filmbesprechungen etc. auf unserem Weblog zur Verfügung stellen.
Redaktion Filmriss

Berlinale geht zu Ende

Mit der Gala zur Preisverleihung erreichte die Berlinale 2006 am Samstag, 18. Februar, ihren glanzvollen Höhepunkt. Die von Heino Ferch moderierte Veranstaltung im Berlinale-Palast wurde live in 3sat ausgestrahlt und die Zuschauer fieberten am Bildschirm mit, wer die glücklichen Gewinner werden (siehe Preisträgerliste).
Unter den prominenten Gästen des Abends waren neben den Preisträgern u.a. Roberto Benigni, Nicoletta Braschi, Meret Becker, Bibiana Beglau, Jürgen Böttcher, Detlef Buck, Ingrid Caven, Hannelore Elsner, Martina Gedeck, Matthias Glasner, Romuald Karmakar, Jan Josef Liefers, Peter Lohmeyer, Anna Loos, Florian Lukas, Franka Potente, Oskar Roehler, Otto Sander und Wim Wenders.
Das Interesse an der Berlinale 2006 war sowohl seitens der Fachbesucher als auch des Publikums größer denn je. Mehr als 19.000 Akkreditierte aus 120 Ländern, darunter 3.800 Journalisten, kamen zum Festival. Begeisterter Zuspruch auch beim Publikum: Über 150.000 Zuschauer strömten in die Berlinale-Kinos, in denen in rund 1.115 Vorführungen 360 Filme gezeigt wurden. Für das Publikum gibt es am Sonntag eine Zugabe: Eine Auswahl der Festivalfilme wird noch einmal am „Kinotag“ gezeigt.
Einen gelungenen Start feierte der European Film Market in seinem neuen Domizil, dem Martin-Gropius-Bau. Mit über 250 teilnehmenden Firmen und rund 650 Filmen hat der EFM nicht nur erheblich an Größe und Bedeutung gewonnen, sondern auch erfolgreich seine Neupositionierung in der internationalen Branche realisiert. „Ich freue mich über die gute Stimmung dieser Berlinale“, sagt Festival-Direktor Dieter Kosslick. „Mit dem neuen European Film Market haben wir den letzten Baustein der Neustrukturierung des Festivals eingesetzt. Die Initiativen der letzten fünf Jahre wurden positiv aufgenommen und tragen erste Früchte. Dass wir nicht nur für die Branche, sondern auch für das Publikum noch attraktiver geworden sind, ist eine schöne Bilanz. Für mich war’s eine glückliche Berlinale.“

Freitag, Februar 17, 2006

Der Asiatische Film auf der Berlinale - eine Übersicht

Der Asiatische Film ist erneut ein großer Teil der Berlinale geworden, insgesamt 35 Beiträge sind im Festival zu finden. Hier eine Auswahl der Filme aus Asien:

Im Wettbewerb treten drei Filme an. Im düsteren Invisible Waves flieht ein japanischer Koch vor dem Gesetz und durchlebt auf einem Schiff eine Reihe von halluzinatorischen Begegnungen. Am Festland angekommen ist ihm die Mafia auf den Fersen. Kameragenie Christopher Doyle sorgt für eine besondere visuelle Stimmung, in der Hauptrolle ist Asano Tadanobu zu sehen. Eine Vater/Tocher-Beziehung erzählt Isabella. Der frustrierte Polizeibeamte Shing versucht das junge Mädchen Yan zu einem One-Night-Stand zu überreden, diese konfrontiert ihn jedoch mit der Tatsache das sie seine Tochter sei von dessen Existenz er nichts wußte. Als Yan dann auch noch bei ihm einziehen will stellt sich bald die Frage ob Shing väterliche Verantwortung übernehmen kann. Fliegende Schwertkämpfer und chinesiche Mythen sind in Wuji/The Promise zu sehen. Regisseur Chen Kaige, bekannt durch Lebewohl meine Konkubine, hat den teuersten Film Chinas gedreht, dabei aber durch zuviel Pathos und eine wirre Handlung sein Ziel verfehlt. Im Panorama sind ebenfalls große Namen vertreten: Rekord- und Extremfilmer Takashi Miike bringt uns die Big Bang Love, Juvenile A in dem zwei junge verurteilte Mörder im Gefängnis aufeinandertreffen. Der schüchterne Jun und der knallharte Shiro werden trotz ihrer Unterschiede zu Freunden in einer Welt voller Gewalt. Dead Run von Regisseur Sabu, der in den letzten Jahren mehrfach im Forum mit Filmen wie Blessing Bell oder D.A.N.G.A.N. Runner vertreten war, zeigt eine Geschichte voller Geheimnisse und Unwägbarkeiten. Das Leben des jungen Shuji ist vom Zerfall seines Wohnortes geprägt, Baulöwen und Gangster übernehmen die Macht. Ein undurchsichtiger Priester nimmt sich des Jungens an. In Little Red Flowers rebelliert ein vierjähriger im Kindergarten gegen die Versuche ihn zu einem funktionierenden Mitglied der chinesischen Gesellschaft zu machen. Ein
tiefer Blick in die Schule der Nation. 4:30 thematisiert die Einsamkeit von einem elfjährigen
Jungen aus Singapur, der diese durch gemeinsame Momente mit einem Mann Anfang Dreißig überwinden will. Ein Film über das urbane Leben und zwischenmenschliche Beziehungen. Memories in the Mist aus Indien ist kein typisches Bollywood sondern zeigt einen Underdog der in der heutigen materiellen Welt es nicht schafft oder nicht willens ist um jeden Preis erfolgreich zu sein. Die Vielfalt des asiatischen Films findet ihren Gipfel im Forum. Spektakulär und extrem ist der Strange Circus, eine Menagerie voll von sexueller Gewalt, Inzucht und Rache. Die Obsessionen eines zornigen jungen Mannes nach dem Selbstmordversuch seiner Mutter zeigt The Peter Pan Formula. Einen völlig anderen Blick auf Korea wirft Dear Pongyan aus Japan, in dem die Eltern der Filmemacherin nach der Teilung des Landes sich für eine Staatsbürgerschaft entscheiden müssen. Die Regisseurin Yang zeigt nicht nur ein liebevolles Portrait des störrischen Vaters sondern liefert zugleich erstaunliche Innenansichten vom
Alltag der kommunistischen Hauptstadt. Asien und Amerika treffen in Big River auf einander, der japanische Superstar Odagiri Joe begegnet in der spektakulären Landschaft in der Wüste Arizonas auf eine Amerikanerin und einen Pakistani. Die Teenagerin Aimie und ihr Freund schaffen es dagegen nicht in dem ruhigenIn Between Days ihre Gefühle auszudrücken,
Before Born ist ein Thriller ohne Plot voll rätselhafter Schönheit und unaufgelöster Fragen und
John & Jane arbeiten in einem Call Center in Bombay, immer bestrebt sich dem amerikanischen Markt anzupassen. Denen hilft vielleicht nur noch den Bollywood-Stil in Parnineeta zu zelebrieren.
Selbst das Kinderfilmfestival bietet einige Beiträge wie den Eröffnungsfilm der 14Plus-Reihe You & Me, in dem ein Mädchen Veränderung in das Leben einer alten Dame bringt. Ein besonderes Highlight sind zudem noch 9 Genrefilme des japanischen Meisterregisseurs Nakagawa Nobuo aus den 50er- und 60er Jahren. Horrorfilmklassiker wie Ghost Story of Ntsuya oder Schwertkampf-Dramen wie Okatsu the Avenger machen besonders in der Mitternachtsvorstellung Spaß.
Carsten Giese

Donnerstag, Februar 16, 2006

MY COUNTRY, MY COUNTRY Regie: Laura Poitras

Die US-amerikanische Filmemacherin begleitet über sechs Monate das Geschehen um die Wahlen im Irak. Durch sie erhalten wir die Bilder, die in den abstrakten Berichten der Medien verschluckt werden. Sie zeigt uns US-amerikanische Soldaten, deren Auftrag als Ordnungshüter jederzeit zum Himmelfahrtskommando werden kann und den Zynismus, den das Überleben in solcher Situation aufbaut. Wir bekommen Einblick in das Bemühen eines sunnitischen "Islamisten", der sich um ein demokratisches Bewußtsein bemüht und sich - trotzdem seine Wählerschicht von den Wahlen nicht begeistert war - als Kandidat aufstellen läßt. Laura Poitras hat u.a. seinen Zugang zu Abu Graib dokumentiert. MY COUNTRY, MY COUNTRY kann auch für Beobachter des Geschehens in den Nachrichten interessant sein. Er veranschaulicht das Thema. Und versucht dabei, nicht parteiisch zu sein.
Meike Gastner

Ausser Konkurrenz: V wie Vendetta

Das ist der Titel der neuen Produktion von Joel Silver, der bereits die Lethal Weapon-Reihe realisierte und den Wachowski-Brüdern, die als die Regisseure der The Matrix-Trilogie weltbekannt wurden. In den späten 80ern sicherte sich Silver die Rechte für die Verfilmung des Comics, den der berühmte britische Autor Alan Moore kreierte.Die Gebrüder Wachowski verfassten schon in den 90er Jahren zahlreiche Drehbuchentwürfe. Der erste Kinofilm des Regisseurs James McTeague nimmt außer Konkurrenz am Wettbewerb der Berlinale teil. Produzent Joel Silver wurde auf der Pressekonferenz zum Film gefragt, ob der Autor Alan Moore den Film gesehen hätte? Ich weiß nicht ob Alan Moore den Film gesehen hat. Er hat bisher keine guten Erfahrungen mit den Verfilmungen seiner Stoffe gesammelt. Er wollte bei diesem Projekt nicht mitwirken und bat uns seinen Namen aus den Credits zu entfernen.Wir kamen diesem Wunsch nach. Ich hoffe, das er sich den Film irgendwann einmal anschauen wird.Wer weiß das schon? Wir versuchten unser Bestes dem Original möglichst nahe zu kommen. Der Film spielt im Großbritannien der nahen Zukunft und zeigt den Kampf des maskierten Anarchisten V, der mit terroristischen Methoden einen einsamen Rachefeldzug gegen ein faschistisches Regime führt. Hugo Weaving, der uns als Agent Smith in der Matrix begegnete, spielt die Hauptrolle und Natalie Portman, bekannt als Prinzessin Amidala aus den Star Wars -Prequels, ist seine einzige Verbündete Evey. Hatte sie keine Bedenken dabei, in einem Film mitzuwirken, dessen Held terroristische Mittel als Waffe einsetzt? In meinen Geburtsland Israel , wo ich aufwuchs war diese Problematik ständig präsent und die Kontroverse existiert so lange ich denken kann. Ich freue mich dass der Film die richtigen Fragen zu diesem Thema aufwirft. Dem Film merkt man die zahlreichen Drehbuchänderungen und Schwierigkeiten während der Produktion an. So wurde der Darsteller des Rächers V mehrfach nach Beginn der Dreharbeiten ausgetauscht. Im fertigen Film kann der Zuschauer einen unbekannten Schauspieler, mehrere Stuntmen und den Australier Hugo Weaving dabei bewundern, wie sie den schwarzgewandeten Freiheitskämpfer verkörpern. Die Vendetta ist oft unfreiwillig komisch, da die zentrale Idee des Filmes, der Kampf um die Freiheit, dem Publikum mit einer abstrusen Mischung aus brachialen Actionsequenzen und phrasenhaften
Dialogzeilen um die Ohren gehauen wird.
Carsten Giese

Panorama: The Proposition

Australien im späten 19. Jahrhundert. In einer Kolonialsiedlung im unwirtlichen Hinterland geschieht ein grausames Verbrechen. Von den drei Brüdern, die eine Bande von Outlaws anführen, werden zwei gefangengenommen. Der örtliche Polizeichef verspricht das Leben des jüngsten Bruders zu schonen, wenn der mittlere der Brüder, Charlie, seinen älteren Bruder und Anführer der Gang, Arthur, zu Strecke bringt. Die Ausgangssituation von John Hillcoats Film "The Proposition" ist ein klassisches Westernmotiv um Vergeltung und Verrat. Bilder von der überwältigenden Schönheit der australische Wüste stehen hier im starken Kontrast zu plötzlichen Ausbrüchen von exzessiver Gewalt. Nicht umsonst nannte der Regisseur auf der Pressekonferenz zum Film den amerikanischen Filmemacher Sam Peckinpah als eines seiner Vorbilder. John Hillcoat: Die grossen amerikanischen Antiwestern waren Vorbilder für mich. Robert Altman, Sam Peckinpah, Terrence Malick, aber auch Sergio Leone. Die Herausforderung für mich war es, die australische Geschichte nach der Art dieser Regisseure auf die Leinwand zu bringen. Der Film ist prominent besetzt. Guy Pearce, bekannt aus "LA Confidential" und "Memento", spielt die Hauptrolle. Sein Gegenpart, der Polizeichef, wird von Ray Winstone erkörpert, der vielen noch aus "Sexy Beast" an der Seite von Ben Kingsley bekannt sein dürfte. In weiteren Rollen spielen John Hurt, Emily Watson und Danny Houston. Besondere Aufmerksamkeit erregte der Film in Berlin, weil sich der australische Musiker Nick Cave für das Drehbuch und die Filmmusik verantwortlich zeichnete. Sein Debüt als Drehbuchautor hat dementsprechend auch alle Elemente, die in seinen Songs immer eine grosse Rolle gespielt haben: Schuld und Vergebung, Verbrechen und Rache. Nick Cave: Ich wusste nicht ob ich ein Drehbuch schreiben kann, ich wusste nur das ich eine Geschichte erzählen kann. Eine australische Geschichte genauer gesagt. Ich bin Australier und stamme aus derselben Gegend in der auch der Film spielt. Zuerst wollte ich nur die Geschichte schreiben und dann sollte ein richtiger Drehbuchautor den Rest machen, aber dann habe ich es doch selbst zu Ende gebracht. "The Proposition" ist bereits die zweite gemeinsame Spielfilmarbeit von Hillcoat und Cave. In seinem Erstling "Ghosts ... Of The Civil Dead" spielte Nick Cave bereits vor einigen Jahren eine Hauptrolle, ausserdem hat Hillcoat zahlreiche Videoclips für den Sänger inszeniert. "The Propostion" ist ein moderner Actionfilm der sich dabei klassischer Westernmotive bedient und durch seine realistische Gewaltdarstellung nichts für zartbesaitete Kinozuschauer ist. Die epischen Bilder von der Schönheit der australischen Wüste und die Musik von Nick Cave und Warren Ellis sind von geradezu poetischer Kraft und machen diesen Film besonders auf der grossen Leinwand sehens- und hörenswert.
Oliver Schaefer

Wettbewerb: "A Prairie Home Companion"


A Prairie Home Companion: Das ist nicht nur eine der weltweit bekanntesten Live-Radio-Shows. Es ist auch der Titel des neuen Streifens von Regieveteran Robert Altman, der am Sonntag als Wettbewerbsbeitrag auf der Berlinale seine internationale Premiere feierte. Das gesamte Team ist noch einmal versammelt: Die Hausband, Gastmusiker aus der traditionellen amerikanischen Musik, insbesondere des Country, sowie alle Helfer. Sie machen sich startklar für die allerletzte Aufführung des A Prairie Home Companion. Denn nach über 30 Jahren soll Garrison Keillors groteske Radio-Show - Woche für Woche ausgestrahlt an über 4 Millionen treue US-Hörer - abgesetzt werden. Grund: Das alte Fitzgerald Theatre in St. Paul, Minnesota, aus dem gesendet wird, ist an einen großen Konzern verkauft worden. Dieser will hier nun lieber ein großes Parkhaus hochziehen. Der Film kreist um diesen letzten Abend, die Gefühle und Befindlichkeiten der Beteiligten und die Turbulenzen auf wie hinter der Bühne. Zur illustren Darstellerriege gehören u.a. Meryl Streep, Lily Tomlin, Kevin Kline, Virginia Madsen und Tommy Lee Jones. Gastgeber Garrison Keillor spielt sich selbst. Und er war es auch, der das
fiktive Drehbuch beisteuerte. In Wahrheit gibt es den Prairie Home Companion natürlich noch, die Sendung feierte erst kürzlich ihren 30. Geburtstag. Regisseur Robert Altmann ist schon etwas länger im Geschäft, für sein Lebenswerk erhält er Anfang März einen Ehrenoscar. Er war für Keillor von
Anfang an Wunschkandidat für eine filmische Zusammenarbeit. Bereits nach einem ersten Treffen war beiden klar, dass sie zusammen arbeiten würden. Zum großen Erfolg der Show sagt Robert Altmann:
Es ist ihre Einzigartigkeit, die Idee, sie vornehmlich für das Radiopublikum zu machen. Dabei sind sich Garrison und seine Leute immer treu geblieben. Im Film haben wir versucht, insbesondere Garrisons sehr eigenen Humor und seine Art der Kommunikation einzufangen - sowie die Show an sich. Wir sind sehr stolz darauf, das wir dies machen durften. Meryl Streep stellt neben Lily Tomlin eine der beiden Johnson-Schwestern dar. Für die Rolle der Sängerin musste sie extra das Singen neu erlernen.
Trotzdem sagte sie als eine der ersten Altmann Für den Film zu:
Ich bin langjährige Zuhörerin der Sendung A Prairie Home Companion. Für mich war es wirklich großartig, etwas Wahres zu entdecken über das Herz Amerikas, auch etwas, das alle Ebenen der Kultiviertheit und Menschlichkeit berührt. Etwas, das uns sagt, wer wir sind. Außerdem wollte ich schon immer mit Robert Altman zusammenarbeiten. Und Meryl Streep ist dieser ewig gehegte Wunsch und seine Erfüllung an ihrer
Spielfreude anzumerken. Insbesondere in den gelungenen Dialogen mit Lily Tomlin. Auch hervorzuheben sind die Stellen im Film, in denen das Live-Moment der Show unmittelbar spürbar wird. Leider jedoch springt der wirklich skurrile Witz der eigentlichen Sendung nur zu selten auf den
Kinozuschauer über, da sich Altman mitunter auf belanglosem Terrain hinter der Bühne verzettelt.
A Prairie Home Companion ist zwar ein relativ vergnügliches Unterfangen, jedoch verlässt sich Altmann zu sehr auf sein gutes Ensemble. Sein Film kommt oft auch sehr bemüht und geschwätzig daher und kann gewisse Längen im Mittelteil nicht verbergen.
Filmriss-Urteil: Kein Bären-Gewinner!

Mittwoch, Februar 15, 2006

Filmriss - live von der Berlinale

Unsere Themen

Am Freitag, 17.02., erwartet Sie in Filmriss - live von der Berlinale:

Spanischsprachiger Film auf der Berlinale:

Viele Enttäuschungen, seichter Kommerz und wenig Festivalwürdiges.

Unserer Favorit: Derecho de familia (ARG, Daniel Burman, Panorama)

Zwiespältig, l'art pour l'art: El Custodio (ARG, Rodrigo Moreno, Wettbewerb)

Abzuraten: La Prisonera (ARG, Alejo Moguillansky+Fermin Villanueva, Forum)

Ärgerlich: El triunfo (E, Mireia Ros, Panorama)

Französischsprachiger Film auf der Berlinale:

Oft geärgert aber manches Schmuckstück:

Überzeugend, weil phantasievoll und phantasieanregend: De particuler à particulier von Brice Cauvin (Forum) - Interview mit dem Regisseur

und The sience of sleep von Michel Gondry (Beitrag mit O-Tönen)

Seicht aber unterhaltend: Quatre etoiles von Christian Vincent (Panorama)

Seicht und sterbenslangweilig: Camping Sauvage von Christophe Ali und Nicolas Bonilauri (Panorama)

Schöne Bilder, aber zweifelhafte Aussagen: Congo River von Thierry Michel (Panorama)

Ärgerlich subjektivistisch: La-bàs von Chantal Akerman (Forum)

Morgen zu sehen: L'ivresse du pouvoir von Claude Chabrol (Wettbewerb)

Außerdem:

Wer gewinnt die Bären? Die Filmriss-Redaktion spiel Jury.

Im Studio: Michael Luppatsch, Pilar Arnau, Christian Szambien

Michael Luppatsch

Und noch ein Hinweis an die Kollegen: Bitte stellt doch auch im Nachhinein die Übersicht über die Themen und Beiträge auf diese Seite!!!!!




Rampage von George Gittoes

"Forget about Baghdad, Miami`s off the chain" so lautet der ein wenig reisserische Untertitel von "Rampage", ein Dokumentarfilm des australischen Filmemachers George Gittoes. Der Film ist eine erneute Reise Gittoes in die verbotenen oder auch verlorenen Zonen dieser Welt. Es wird die Geschichte dreier schwarzer Ghettokids erzaehlt, die nur drei Moeglichkeiten haben den Suburbs von Miami zu entfliehenÖ durch das Militaer, durch die Musik und durch den Tod. Gittoes zeigt ein beklemmendes zeitgenoessisches Portraits der dunklen Seite von Amerika und der Leute die mit ihren Familien darin ueberleben muessen. Kurios muteten da die Bedenken von Musikmanagern eines grossen Konzern an, die Texte des 14 jaehrigen Raptalents Denzell auf Platte zu bringen. Leider ist der Film mit 118 Minunten viel zu lang geraten, um einen schluessigen Handlungsaufbau durchzuziehen. Gittoes verliert sich all zu oft in Bildsequenzen, die sich nicht schluessig in das Thema einpassen.
Ulf Engelmayer

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